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23.09.2010

Vom Einkäufer zum Ressourcenmanager

Einkäufer müssen heute komplexe Herausforderungen bewältigen. Knappes Potenzial: 68 Prozent der deutschen Unternehmen verfügen über keine oder zu wenige Einkaufstalente. Diese Situation bemängelt auch der Bundesverband Materialeinkauf und Logistik in Österreich (BMÖ).

In den Einkaufsabteilungen in Deutschland fehlen gute Leute: 68 Prozent der Unternehmen verfügen über keine oder zu wenige Talente. Dies hat die von der Personalberatung Penning Consulting in Kooperation mit Kerkhoff Consulting erstellte Studie „Personalbarometer Einkauf 2010“ ergeben. Befragt wurden dafür über 500 Einkaufs- und Personalleiter mittelständischer Unternehmen. Besonders die geringe Qualifi zierung der Bewerber stellt nach eigener Aussage 67 Prozent der befragten Unternehmen vor Probleme. Insbesondere Einkaufsabteilungen alter Schule sind häufi g nicht akademisiert und zu schlecht ausgebildet, um die Anforderungen an ein modernes Einkaufsmanagement erfüllen zu können. Drei Viertel der in der Studie Befragten betonen die Schwierigkeit, entsprechende Bewerber für ihre Vakanzen zu fi nden. In jedem zweiten Unternehmen dauert die Suche nach einem geeigneten Einkäufer zwischen vier und sechs Monate, oft sogar noch länger. Zudem haben 71 Prozent der Befragte angegeben, dass Stellen im Einkauf aufgrund von zu hoher Diskrepanz zwischen Wunschund Zielgehalt nicht besetzt werden. „Hier werden die Personaler umdenken müssen“, sagt Stephan Penning, Geschäftsführer von Penning Consulting. „Einkäufer leisten einen enormen Wertbeitrag für ein Unternehmen und bedürfen heute einer umfassenden Ausbildung. Darum muss auch ihr Gehaltsniveau klar steigen und sich anderen Unternehmensbereichen anpassen.“

Trostloser Einkauf
Dass es in der österreichischen Praxis ähnlich trostlos aussieht, bestätigt auch Dkfm.
Heinz Pechek, Geschäftsführer des Bundesverbandes Materialeinkauf und Logistik in Österreich, BMÖ und spezieller Kenner der österreichischen Einkäuferszene. „Den Einkaufsabteilungen fehlen Akademiker, um die Anforderungen an ein heute sehr komplexes Einkaufsmanagement erfüllen zu können“, schlägt Heinz Pechek im Gespräch mit BUSINESS+LOGISTIC Alarm. Besonders prekär wird die Situation vor dem Hintergrund, dass gerade der Einkauf am Anfang einer jeden Wertschöpfungskette steht und somit für den Unternehmenserfolg von mitentscheidender Bedeutung ist. „Einkäufer übernehmen heute besondere Verantwortung in Unternehmen“, sagt auch Professor Wolfgang Stölzle von der Universität St. Gallen. „All unsere Studien, die wir gemeinsam mit dem Institut für Demoskopie Allensbach in den vergangenen Monaten durchgeführt haben, zeigen: Die strategische Bedeutung des Einkaufs steigt enorm. Gerade deshalb benötigen Einkäufer heute eine exzellente Ausbildung und in der Folge Qualifizierung.“

Studium für „Procurement“
Diese akademische Qualifi zierung fordert auch Pechek für Österreich schon seit langer Zeit. „Ich stelle fest, dass auf der größten österreichischen Wirtschaftsuniversität, der WU Wien, eine Vorlesung zum Thema ‚Einkauf‘ nicht aufscheint. Ich empfi nde das als ein extremes Versäumnis. Einkäufer sind auf akademischem Niveau auszubilden“, sagt Pechek. Als kurzfristige Lösung des Problems könne man ja einen Slot „Procurement“ an der WU Wien einführen, schlägt Pechek vor. Heinz Pechek geht aber noch weiter, denn für ihn wäre das nur ein erster Schritt, die augenblicklichen Probleme im österreichischen Einkauf zu lösen: „Da der Einkäufer zum Ressourcenmanager mutiert, der neben dem Einkauf auch die Prozesse in Produktion und Vertrieb im Auge haben muss, sollte mittelfristig ein eigener Studiengang mit Diplom-Abschluss installiert werden.“ Hier könne der BMÖ hilfreich sein, so Pechek abschließend.

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